Gutenswil

Wohnquartier Luegisland

2024

Zwei Weiler
Durch die neue Bebauung wird Gutenswil um rund ein Viertel seiner Bewohner*innen wachsen. Aus diesem Masstabssprung wächst eine grosse Verantwortung, eine natürlich gewachsene Erweiterung. Ziel des Vorschlags ist daher, eine hochgradig vernetzte Anordnung, ein Weiterbauen des Dorfes anstatt eine in sich geschlossene Siedlung. Es wird nicht die eine geeignete Bauform gesucht, dafür vielmehr eine spezifische Reaktion auf die Lagequalitäten und Morphologie der Parzelle. Das Grundstück wird neben der Lage am Siedlungsrand von verschiedenen landschaftlichen Faktoren geprägt. Der Baumbestand und die Naturobjekte teilen das Areal in zwei nach Westen ausgerichtete Landschafts- kammern. Diese werden von der bewegten Topographie der Moränenablagerungen und den Eingriffen der bisherigen Villen in entgegengesetzter Richtung in Zonen mit unterschiedlichen Lagequalitäten gegliedert. In einem verbindenden Landschaftsband entstehen auf diese Weise rund 200 Wohnungen in sieben unterschiedlichen Bautypen.

Ein Weg, viele Geschichten
Ein horizontales Band durchzieht das neue Quartier von Nord nach Süd. Es beginnt am Kopfhaus an der Luegislandstrasse und zieht an den Häusern vorbei durch den kleinen Wald zur Villa, um schliesslich an der Eggasse zu münden. Alle Häuser schliessen auf ihre Art an den Weg an. Die Gebäude bilden Weiler, die eine Beziehung untereinander und gleichermassen zur Landschaft aufbauen. Immer wieder führt Weg vorbei an Orten des Verweilens, Spielens und zur Aussicht. Der Weg selbst wird zum Ereignis. Seine Ränder bilden einen Saum, der von den Häusern aus entwickelt wird und ihnen spezifische Vorzonen gibt. Im Schnittpunkt der beiden Weiler quert in der entgegengesetzten Richtung eine kleiner Fussweg das horizontale Band und verbindet den östlichen Dorfteil mit dem nahe gelegenen Wald.

Lebensräume für Flora und Fauna

Das Vegetationskonzept baut auf den vorhandenen Lebensräume und dem Vegetationsbestand auf. Das Areal lässt sich in vier verschiedene Bereiche einteilen, die durch spezifische Pflanzungen ergänzt werden und so die einzelnen Lebensräume verbinden. Der kleine Wald, welcher das Areal räumlich in Nord- und Südteil gliedert, bildet dabei das Herzstück. Der untere Teil des Waldes mit Teich wird erhalten und mit Schwarzerlen als Leitart sowie Ahornen und Weiden zu einem in der Schweiz nur noch selten zu findenden Erlenbruchwald ergänzt. Im Unterwuchs sind verschiedene Weidenarten oder der Faulbaum anzutreffen. Seggen, Farne oder Schachtelhalm bieten als Krautschicht Kleintieren einen Lebensraum. Auf der Kuppe ergänzen Bäume aus der Familie des Eichen- Hainbuchenwaldes den Erlenbruchwald und bilden den Übergang in die offenen Landwirtschaftsflächen. Seltene Ahornsorten wie Acer opalus und Föhren ergänzen den Wald zu einem vielfältigen Lebensraum. Wildhecken erweitern den Lebensraum dieses Waldes und bilden zusammen mit der Baumhecke im Süden des Perimeters einen grosse zusammenhängende Struktur entlang der Luegislandstrasse. Die Hecken sind Habitat und Futterquelle für eine Vielzahl an Tieren, von Vögeln über Käfer zu verschiedenen Tagfaltern. Die vegetative Grundebene bilden zwei Wiesenarten. Die heute vorherrschende Fromentalwiese wird an südexponierten Lagen mit Saatmischungen des mitteleuropäischen Halbtrockenrasen ergänzt. Die Wiese im Westen des Areals wird als Streuobstwiese mit Kern- und Steinobst angelegt. Dabei werden heimische alte und robuste Sorten wie z.B. der Gravensteiner Apfel oder die Stäfner Zwetschge gefördert. Die strukturreichen Flachdächer der tiefen Gebäude erweitern den Lebensraum für Wildbienenarten und verbinden sich mit den umliegenden Wiesen. Entlang der Erschliessungsachse, im Inneren des Quartiers, treffen all diese Lebensräume aufeinander. Hier werden Zierformen der in den Lebensräumen verwandten Arten wie z.B. Amelanchier lamarkii oder Prunus avium ‚Plena‘ als Obstgehölz gepflanzt. Auf der Ostseite leiten verschiedene Nussarten oder die Edelkastanie von Streuobstwiese zu Eichenwald über. Die charakteristische Bepflanzung der Villenterrasse wird gestärkt und mit einer repräsentativen Staudenpflanzung ergänzt.